2016
Nachhaltig angebaute und verarbeitete Lebensmittel, ökologische Landwirtschaft und Naturentwicklung

Färm ist eine Kooperative von Bio-Läden, die bei ihrem Produktangebot auf größtmögliche Nachhaltigkeit setzen. Die Produkte stammen unter anderem von kleinen lokalen Herstellern ökologischer Fairtrade-Produkte in Familienbesitz. Färm ist jedoch weit mehr als nur ein Bio-Laden. Es ist eine Kooperative, deren Mitglieder von Produzenten bis Konsumenten reichen. Dadurch wird die Distanz zwischen Kunden und dem Produzenten verringert, indem beide zusammenarbeiten, damit Lebensmittel in unserer Gesellschaft dazu beitragen, Beziehungen zu festigen und eine möglichst nachhaltige und schmackhafte Ernährung für Jedermann sicherzustellen.

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Unsere Vision ist es, durch Lebensmittel wieder eine Verbindung zwischen den Menschen herzustellen. Wir wollen Lebensmittel dazu nutzen, in der Gesellschaft eine Bedeutung zu vermitteln, die in den letzten Jahrzehnten etwas verloren gegangen ist, da die Agrar- und Nahrungsmittelwirtschaft von einem Grundstein der Gesellschaft zunehmend zu einem Finanzgeschäft verkommen ist.

Ein Laden ist im Grunde genommen ein Ort, an dem wir solche Verbindungen herstellen können. An diesem Ort sind die Produkte ein Kommunikationsmittel zwischen dem Verbraucher, der zudem die Bedeutung seiner Rolle neu erfährt, und dem Hersteller des Produkts, der mit Leidenschaft und Sachverstand ein Produkt erzeugt, das gerne konsumiert wird.

Als wir 2009 angefangen haben, war uns bewusst, dass es sich bei Konsumenten von Bio-Produkten um besonders achtsame und umsichtige Menschen im Hinblick auf das gesamte Universum handelt, die sich Gedanken über Auswirkungen für Mensch und Umwelt machen. Auch diese Menschen inspirierten uns zur Umsetzung unserer Geschäftsidee.

Welche innovative Strategie haben Sie zur Lösung dieses Problems entwickelt?

Wir stehen in Geschäftsbeziehungen mit Produzenten und Kooperativen. Wir wollten diese Geschäftsbeziehungen weiterentwickeln und mit Färm dazu beitragen, widerstandsfähige Branchen zu schaffen, indem wir wirkungsvolle kooperative Partnerschaften mit Produzenten aufbauen. Ein Beispiel hierfür ist Agribio. Dabei handelt es sich um eine Kooperative aus Getreideproduzenten in Wallonien, die auch als Müller tätig sind. Sie produzieren ihr eigenes Mehl direkt vor Ort. 2016 haben wir uns mit ihnen zu einer 50/50-Kooperative mit ihnen zusammengeschlossen, um eine neue Bäckerei-Kooperative zu gründen. Diese Kooperative stellt das gesamte Brot her, das wir in unseren Färm-Läden verkaufen, und beliefert darüber hinaus andere Geschäfte, die ebenfalls unser Angebot an zu 100% aus natürlichen und biologischen Zutaten hergestelltem Brot nutzen wollen, das außer Mehl, Wasser und Salz keine weiteren Zusätze enthält.

Als nächstes wollen wir neue Produktionsbereiche für Fleisch, Milchprodukte, Getreideprodukte und Gemüseanbau aufbauen und so eine noch größere Wirkung erzielen.

Welchen Einfluss hatte die Triodos Bank auf Ihr Geschäft?

Die Zusammenarbeit mit der Triodos Bank hat es uns ermöglicht, neue Läden zu eröffnen, denn die Triodos Bank finanziert und unterstützt uns mit großer Begeisterung bei all unseren Projekten. Zwischen unseren beiden Unternehmen besteht eine auf gegenseitigem Vertrauen basierende Beziehung. Zudem zeigt die Verbindung von Färm und der Triodos Bank, dass Nachhaltigkeit grundsätzlich im Mittelpunkt all unserer Aktivitäten steht. Ich betrachte unsere Beziehung daher als echte Partnerschaft, zu der beide Seiten beitragen.

Welchen Einfluss hatte Ihr Geschäft auf den Sektor?

Es ist wirklich bemerkenswert, dass Lieferanten und Produzenten zunehmend daran interessiert sind, gemeinsam mit uns widerstandsfähige und nachhaltige Branchen aufzubauen, wenn sie durch unser Netzwerk wachsen. Wir handeln deutlich vorteilhaftere Verträge mit ihnen aus und sind in erster Linie mit der Ausarbeitung von umweltfreundlichen und sozialen Bestimmungen befasst, die die soziale Wirkung biologischer und nachhaltig angebauter und verarbeiteter Lebensmittel weiter verstärken.

Die Produzenten wollen nicht mehr nur ein Instrument für die Massenproduktion und Industrialisierung von Lebensmitteln sein, sondern wieder zu Handwerkern werden, sowohl im Hinblick auf die Produkte selbst als auch in Bezug auf das Land. Diesen Produzenten durch die Kooperative und die Läden von Färm die Möglichkeit bieten zu können, ihr Geschäft, ihre Leidenschaft und ihre Wertvorstellungen weiterzuentwickeln, ist eine äußerst aufregende Sache.

Welchen Einfluss hatte Ihr Geschäft auf die direkte Umgebung?

Wenn ein Färm-Laden öffnet, hat das zwei unterschiedliche Auswirkungen zur Folge. Zum einen freuen sich die Kunden vor Ort, denn bei unseren Läden stehen die zwischenmenschliche Ebene und die Beziehung zum Ladeninhaber im Vordergrund. Unsere Ladenmitarbeiter kennen unsere Kunden und ihre Gewohnheiten. Es besteht also eine viel familiärere Beziehung zum Ladenbesitzer.

Was die Mitarbeiter anbelangt denke ich im Allgemeinen, dass die Menschen sich wünschen, dass ihre Arbeit auch von Bedeutung ist, unabhängig davon, welche Tätigkeit sie ausüben. Das ist eine echte Herausforderung. Es ist nicht immer leicht, einem Job, der vielleicht nicht immer ganz einfach zu sein scheint, einen Bezug zur Realität und eine Bedeutung zu verleihen, egal ob man nun auf dem Feld, in einem Laden oder in einem Büro arbeitet. Unser Ziel ist es, dass jede Tätigkeit am Arbeitsplatz an jedem einzelnen Tag mit Leidenschaft ausgeübt wird und mit etwas Stärkerem, Größerem und Umfassenderem aus verschiedenen Interessengruppen verbunden ist, egal ob es sich dabei um die Kolleginnen und Kollegen handelt, oder um Produzenten, die vielleicht zu Partnern werden.

Ziel der Färm-Kooperative ist es, die Verbindung in der Gesellschaft mit Hilfe von Lebensmitteln, auf denen unser gesamtes System beruht, wieder herzustellen.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit Ihrer Vision identifizieren?

Eine interessante Komponente und Gemeinsamkeit der Kooperation zwischen der Triodos Bank und Färm ist die Auswahl der Produkte. Genauso wie die Triodos Bank ihre Investmentprodukte und die Unternehmen, an die sie Kredite vergibt, sorgfältig auswählt, werden auch bei Färm Produkte und Produzenten sorgsam ausgewählt. Wir arbeiten nicht einfach mit jedem zusammen und nehmen nicht jedes Produkt in unsere Regale auf. Dies ist nur ein Beispiel für die echten Gemeinsamkeiten zwischen unseren beiden Unternehmen.

Um sicherzustellen, dass nur die wohlüberlegtesten und nachhaltigsten Produkte am Markt in den Färm-Läden angeboten werden, haben wir einen Markenausschuss ins Leben gerufen, an dem nun alle Mitarbeiter teilnehmen können und aufgerufen sind, die Produkte und Marken auszuwählen, die in den Färm-Katalog aufgenommen werden sollen. Die Produkte erfüllen sehr strategisch ausgelegte Kriterien, die in unserer Produkt-Charta festgelegt sind, mit der unsere Wertvorstellungen umgesetzt werden sollen. Dabei handelt es sich um Kriterien wie fairen Handel, biologische, lokale Produkte, direkte Produkte, Unternehmensgröße, ob ein Produkt von einem Familienunternehmen bezogen wird usw. Alle Marken, die von den Mitarbeitern in den Färm-Läden partizipativ und gleichberechtigt aufgelistet werden, erfüllen diese Kriterien.